Hier mein Kurzbeitrag zur Debatte des Entwurfes eines neuen „Traditionserlasses“, im Verteidigungsausschuß

Hier mein Kurzbeitrag zur Debatte des Entwurfes eines neuen „Traditionserlasses“, im Verteidigungsausschuß:

Bei dem vorliegenden Dokument handelt es sich im Wesentlichen um einen „Verbots-Erlass“.
Ein Verwaltungspapier, das den Bedürfnissen der Soldaten und einer modernen Streitkraft nicht gerecht wird.

Der Erlaß läßt wesentlicher Elemente der deutschen Geschichte und deren Identifikationsmöglichkeiten mit Deutschland unerwähnt, der explizite Bezug auf Deutschland, Nation und Vaterland fehlt. Ein absonderlicher Umstand, den es wohl nirgendwo auf der Welt ein zweites Mal geben dürfte. Außer vielleicht in Ländern, in denen die Streitkräfte auf ein politisches System oder gar einen Führer eingeschworen werden.

Stattdessen finden wir den Bezug auf Europahymne und Europafahne, die in Wahrheit mittlerweile eher Symbole nicht mehr eines Europas freier und souveräner Vaterländer, sondern der EU sind. Eines künstlichen Konstruktes, mit dem aufgrund der schieren Größe und Heterogenität eine Identifikation im für das Soldatische notwendige Maß gar nicht möglich ist.

Hier muß man den Wunsch nach der Gründung der Vereinigten Staaten von Europa, samt gemeinsamer Streitkräfte, als Vater des Gedanken annehmen.
Hierzu passend, erahnt man deutlich den Wunsch nach dem „Universalwertsoldaten“, der losgelöst von der Landesverteidigung „für Frieden und Freiheit“ (am Ende gar auf der ganzen Welt!?) kämpfen muß.
Soll hier einmal mehr am deutschen Wesen die Welt genesen?

Gleichzeitig bringt der Erlaß zum Ausdruck, daß Soldaten nicht als mündige und verantworliche Staatsbürger in Uniform respektiert werden. Vielmehr zeugt er von Mißtrauen gegenüber unseren Soldaten, erzeugt er ein Klima der Angst und des Mißtrauens.
Der Raum zur sinnstiftenden und verbindenden Pflege von Brauchtum und Traditionen wird so eng gemacht, daß er kaum noch unbeschwert und hilfreich genutzt werden kann.
Die angeführte Bundeswehr-Geschichte alleine, taugt ebenso wenig zur Identifikation mit unseren Streitkräften, wie Verfassungspatriotismus allein zur Identifikation mit dem Land taugt.
Somit sehen wir in diesem Erlaß keine zulängliche Handlungs- und Lebensgrundlage für die Soldaten unserer Bundeswehr, jetzt und in Zukunft.

Er ist vielmehr Ausdruck politscher Korrektheit. Den Kitt, den es braucht, um die soldatische Gemeinschaft zusammenzuhalten, Brauchtum und Tradition, die geistig-moralischen Grundlagen für das Leben und Handeln deutscher Soldaten, heute und morgen, liefert er nicht.

Diesen, über den Dienst nach Vorschrift, über parlamentarische Auftragserfüllung gegen Sold, hinausgehenden Katalysator brauchen wir aber, damit wir gerade in Zeiten der Berufsarmee, keine Söldnerarmee bekommen, sondern idealistische Staatsbürger in Uniform, die aus eigener Überzeugung, anständig, treu und gerne unserem Land dienen.

Da unserer Meinung nach mit diesem Erlaß die Diskussion nicht beendet sein kann, werden wir uns auch zukünftig mit diesem Themenfeld beschäftigen.

Hierbei möchten wir gerne eine breitere Basis herstellen, als die, welche diesem Papier zugrunde liegt, mit einer weiterreichenden Beteiligung der Soldaten, der Gesellschaft und der Politik, als bisher.
So hoffen wir zu einem sinnstiftenderen Ergebnis zu kommen, als es sich im Traditionserlaß in der vorliegenden Fassung findet.

 

https://www.ndr.de/info/sendungen/streitkraefte_und_strategien/Neuer-Traditionserlass-mit-Defiziten,streitkraefte470.html

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